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Integrationsträger in Erfurt und Jena starten Pilotprojekt Pflege

Sie sind jung, motiviert und sie wünschen sich eigentlich nur eines: eine berufliche Zukunft in Deutschland. 14 Migrant*innen haben am 09. Januar 2017 in Jena einen kombinierten Sprach- und Pflegekurs begonnen. Der Kurs wird durch das Bundesmigrationsamt und den Europäischen Sozialfonds gefördert und will EU-Bürgern und Migrant*innen mit ersten Deutschkenntnissen eine berufliche Orientierung in Deutschland ermöglichen. Die Qualifizierung dauert sechs Monate und wird begleitet von verschiedenen Berufskunde-Modulen sowie einem vierwöchigen Praktikum in einer Pflegeeinrichtung. Mit Abschluss des Kurses erlangen die Teilnehmenden die Zugangsvoraussetzung für eine Ausbildung in der Pflege bzw. die Möglichkeit, sich zum Betreuungsassistenten prüfen zu lassen oder einen anschließenden Bundesfreiwilligendienst zu absolvieren.

Bis das Pilotprojekt starten konnte, mussten seitens der Organisatoren einige Hürden genommen werden. Über ein halbes Jahr lang haben das IQ Netzwerk Thüringen und die AWO Fachstelle für Interkulturelle Öffnung das Projekt geplant und vorbereitet, Interessierte angesprochen und gemeinsam Weichen gestellt. Kursvoraussetzung ist nämlich nicht nur, dass die Teilnehmer*innen ein Sprachniveau des Levels B1 aufweisen können, sondern auch, dass sie Leistungen von der Arbeitsagentur beziehen bzw. beim örtlichen Jobcenter gemeldet sind. So entschloss sich der AWO Kreisverband Jena-Weimar kurzerhand, für zwei Interessenten, die nicht im Leistungsbezug des Jobcenters sind, die Teilnahmegebühr zu übernehmen. Am Ende konnten alle Interessenten im Projekt untergebracht werden - und es bleibt sogar noch Luft nach oben. Bis zum 13. Februar 2017 besteht eine Anschlussmöglichkeit für Nachrücker.

Das Projekt zur beruflichen Qualifizierung von Migrant*innen wird unterstützt durch das Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)". Umgesetzt wird es von einem lokalen Integrations-Netzwerk. So werden die Deutschkurse durch das Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft (BWTW) in Jena organisiert und vom Thüringer Volkshochschulverband durchgeführt, das Institut für Berufsbildung und Sozialmanagement (IBS) übernimmt die Qualifizierung im Bereich Pflege. Die Jenaer Fachstelle für Interkulturelle Öffnung suchte vor Kursbeginn aktiv nach Teilnehmer*innen und begleitete die Kompetenzfeststellung der Interessenten. Hierbei half vor allem der enge Kontakt zum AWO Fachdienst für Migration und Integration, über den potenzielle Teilnehmende direkt angesprochen werden konnten. Damit diese schließlich auch während des Kurses gut begleitet werden, stehen diesen in den verschiedenen Einrichtungen erfahrene Sozialpädagogen als Ansprechpartner zur Seite.

Wie Pflege in Deutschland funktioniert erfuhren die Kursteilnehmer nun an einem ersten Praxistag in Jena und Weimar. In beiden Städten besuchten sie verschiedene Pflegeeinrichtungen der AWO, lernten Formalitäten der Ausbildung kennen und konnten dem Pflegepersonal über die Schulter schauen. Auf ihren Besichtigungstouren erfuhren sie, was die ambulante und stationäre Pflege in Deutschland ausmacht und lernten das Konzept der Tagesstätte kennen. „Natürlich freuen wir uns, wenn sich am Ende des Kurses viele Teilnehmende für eine Pflegeausbildung bei der AWO entscheiden. Bis dahin versuchen wir, ihnen so viele Eindrücke und Informationen wie möglich mitzugeben“, so Frank Albrecht, Vorstandsvorsitzender der AWO Jena-Weimar. „Aber das Pilotprojekt verfolgt noch einen ganz anderen Zweck. Erfolgreich ist es vor allem dann, wenn es andere Arbeitgeber motiviert, Geflüchteten ebenfalls eine Chance zu geben. Perspektiven bieten und vorhandene Potenziale nutzen: das ist das Ziel!“

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