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Flüchtlingssozialbetreuung der AWO in neuen Räumen

Flüchtlingssozialarbeit der AWO in neuen Räumen

Mehr als ein Jahr beschäftigte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des AWO Fachdienstes für Migration und Integration die Suche nach erweiterten Räumlichkeiten für das gewachsene Team und die damit verbundenen Anforderungen an eine gute Beratungspraxis. In diesem Sommer ist das Team endlich fündig geworden und konnte zur Interkulturellen Woche 2017 nun auch den offiziellen Einzug feiern. Die lang ersehnte Eröffnung beging der Fachdienst am heutigen Freitag mit Freunden, Kooperationspartnern und Wegbegleitern.

„Begonnen hat alles vor fast genau zwei Jahren in der Weimarer Nordstraße“, erinnert sich Harun Koyuncu, Leiter des Fachdienstes, an die Anfänge zurück. „Die Nachricht kam quasi über Nacht: die AWO kümmert sich um die Flüchtlingssozialbetreuung der Stadt Weimar. Damals haben wir gemeinsam mit der Stadtverwaltung innerhalb kürzester Zeit die Räumlichkeiten der ehemaligen Berufsbildenden Schulen Weimars als Gemeinschaftsunterkunft hergerichtet. Das waren bewegte Zeiten!“ Diese seien Gott sei Dank heute vorbei; alle der damaligen Bewohnerinnen und Bewohner seien mittlerweile dezentral untergebracht. Der Betreuungsauftrag gehe unterdessen weiter. Momentan ist ein Team bestehend aus sieben Mitarbeitern in der Marienstraße 12 beschäftigt. Hinzu kommen vier Sprachmittler, ein Praktikant, ein FSJ-ler und ein Bundesfreiwilliger. Insgesamt acht Sprachen spricht Harun Koyuncus Team. Seine Hauptaufgabe: Migranten und Geflüchteten durch den deutschen Bürokratie-Alltag zu helfen.

Ziel der Flüchtlingssozialarbeit ist das interkulturelle Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Vergangenheit. Wenn jemand wirklich das Gefühl habe, nach Verfolgung, Flucht und Trauma eine neue Heimat gefunden zu haben, dann habe die Flüchtlingssozialarbeit ihren Zweck erfüllt. Das weiß auch Hindrin Sharif, eine aus Syrien geflüchtete Kurdin. Auch ihr Leben in der Klassikerstadt begann in der Flüchtlingsunterkunft in der Nordstraße. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in einer Mietwohnung in Weimar. In ihrer alten Heimat war sie Lehrerin und hofft, dieser Profession eines Tages auch in Deutschland wieder nachgehen zu können. Ihr Mann hat hier bereits eine Anstellung als Erzieher gefunden. Heute fühlt sich Hindrin gut integriert, ihre Söhne haben durch die Schule Freunde gefunden, sie selbst leitet ehrenamtlich das Frauencafé „AMICA“ der AWO.

Das Frauencafé trifft sich jeden Dienstag in den Räumen des Fachdienstes. „Ich will die Frauen zusammenbringen“, erklärt Hindrin ihr Anliegen. Ziel von „AMICA“ sei es, Frauen einen geschützten Raum für ihre eigenen Treffen zu bieten, den Austausch zu ermöglichen, gemeinsame Erlebnisse zu fördern. „Die Frauen sollen sich in ihrer neuen Heimat genauso vernetzen können wie ihre Männer“, so Hindrin. Sie selbst sei dankbar für diese Aufgabe, für das Gebraucht-Werden, für den Austausch. Überhaupt habe sie seit ihrer Ankunft in Weimar viel Unterstützung erfahren. Diese möchte sie nun gern zurückgeben. Seit dem Sommer gibt Hindrin daher für Interessierte einen kostenlosen Arabisch-Kurs für Anfänger.

Heimatliche Klänge stimmte unterdessen auch Isa Ahmed an, der die Eröffnungsfeier auf der sogenannten „Saz“, einer türkischen Langhals-Laute, begleitete. Spontan fanden sogar einige Tänzer zum traditionellen Kreistanz zusammen. Von einer ganz eigenen Kultur und Geschichte erzählten auch die Bilder der Studenten Can Kurucu und Cagdas Biber. Ihre Ausstellungen „Computer Generated Random Flags“ und „Peeping Self“ machen auf die Bedeutungslosigkeit von Herkunft und Nationalität für das zwischenmenschliche Miteinander aufmerksam. Ebenso wie die Ausstellung „Nach Weimar geflohen“, welche in Kooperation mit der Bauhaus-Uni entstanden ist, sind sie noch bis Ende der Woche in den Räumen des Fachdienstes zu erleben.

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